Anleitung: Produktfotos mit Lightroom oder Photoshop erfolgreich freistellen

Web & Technik
von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 13.11.2015 20:23, zuletzt aktualisiert am: 09.03.2021 16:34

Anleitung: Produktfotos mit Lightroom oder Photoshop erfolgreich freistellen

Freistellen - also einen reinweißen Hintergrund erzeugen - ist für mich eine katastrophale Aufgabe. Doch für professionell wirkende Produktfotos ist das heute notwendig. Im Lauf der Zeit habe ich viele Methoden kennengelernt und probiert. Diese möchte ich hier erst mal zusammenfassen.

Grundsätzlich nehme ich hier auf vier Programme Bezug. Hauptsächlich einmal Adobe Lightroom und Adobe Photoshop, doch auch die Nik Collection von Google bekommt eine kleine Nebenrolle. Schließlich kommt noch der Service von Pixelz (ehem. RemoveTheBackground) dazu, der einem die ganze Mühe auch ersparen kann.

Wichtig ist, dass dies keine vollständige Anleitung zum Freistellen mit den einzelnen Methoden ist, sondern vielmehr eine Übersicht über gängige Varianten. Genaue Anleitungen findet ihr mit einer Google-Suche schnell. Zur Hilfe verwende ich auch die englischen Begriffe, damit eure Suche schneller erfolgreich wird.

Freistellen mit Lightroom

Mit Adobe Lightroom verwalte ich RAW-Dateien von der Kamera und mache gewisse Grundoptimierungen. Grundsätzlich würde ich Lightroom ja nicht zum Entfernen des Hintergrundes empfehlen, doch es funktioniert mehr oder weniger gut.

Methode 1: Freistellen mit dem Weiß-Regler

Eigentlich möchte man sogenanntes White-Clipping - also den Informationsverlust in den weißen Bereichen - ja vermeiden. Doch bei gewissen Bildern eignet sich diese Methode gut. Vor allem, wenn der weiße Hintergrund ohnehin überbelichtet ist (z.B. weil auf diesen extra hell geblitzt wurde), kann man einfach die Whites im Entwickeln Basis Panel (Develop Basic Panel) so weit nach oben schrauben, bis der Hintergrund reinweiß wird. Wenn ihr im Histogramm auf das kleine Dreieck rechts oben anklickt, wird dieser reinweiße Bereich rot angezeigt. Der Nachteil ist, dass vielleicht auch Weißanteile des Produktes selbst zu viel Luminanz bekommen und zu hell strahlen.

White Clipping

Methode 2: Maskieren mit dem Korrekturpinsel

Der Korrekturpinsel (Adjustment Brush) in Lightroom ist ein nützliches Werkzeug um nur bestimmte Bereiche zu bearbeiten. Klickt man Automatisch Maskieren (Auto Mask) an und stellt eine kleine Feder ein kann man den weißen Hintergrund mit etwas Fingerspitzengefühl ziemlich genau auswählen, besonders wenn das Produkt selbst eher dunkel ist. Man sollte sich die Maske mit Überlagerung für ausgewählte Maske auch anzeigen lassen. Einmal ausgewählt kann man mit den üblichen Slidern des Basis-Panels wieder die Weißtöne hochtreiben, sodass der Hintergrund reinweiß wird. Der Vorteil ist schon mal, dass das eigentliche Objekt vom (Hintergrund-)Weiß-Regler nun verschont bleibt. Möchte man es aber genau haben, müht man sich ziemlich ab. Und bei hellen Produkten fehlt schlicht die Unterscheidbarkeit für Auto-Mask und die Auswahl wird mehr schlecht als recht.

Freistellen mit Photoshop

Jetzt kommen wir schon zum genaueren Freistellen. Auch in Photoshop habt ihr mehrere Methoden zur Auswahl.

Methode 3: Freistellen mit dem Schnellauswahlwerkzeug oder Zauberstabwerkzeug

Hat das Foto scharfe Kanten und guten Kontrast, schafft schon mal das Schnellauswahlwerkzeug (Quick Selection Tool) eine gute Auswahl. So geht's: Foto öffnen, mit dem Schnellauswahlwerkzeug den weißen Hintergrund markieren, ggf. könnt ihr noch die Funktion Kante verbessern probieren und dann mit der Entfernen Taste den Hintergrund entfernen (oder mit Bearbeiten > Füllen).

Das Zauberstabwerkzeug (Magic Wand Tool) ist nur manchmal einen Versuch wert. Mit einer relativen kleinen Toleranz (10 bis 20) könnte es aber gut klappen, falls der Hintergrund wirklich ziemlich einheitlich weiß ist.

Tipp: Jedes Auswahltool hat die Optionen, 1. eine neue Auswahl zu erstellen, 2. der Auswahl etwas hinzuzufügen und 3. von der Auswahl etwas abzuziehen (und manchmal 4. eine Schnittmenge zu bilden). Hat die Auswahl einmal nicht geklappt, kann man so Bereiche wieder entfernen und andere hinzufügen. Mit ein bisschen Übung lassen sich damit auch die Auswahltools untereinander gut kombinieren.

Schnellauswahlwerkzeug

Methode 4: Freistellen mit dem Polygon Lasso oder Magnetischen Lasso

Jetzt wird es schon genauer, dafür aber auch mühsamer. Das magnetische Lasso (Magnetic Lasso Tool) schmiegt sich an die Kante des Produktes und gleichzeitig habt ihr aber dennoch etwas mehr Einfluss auf die Auswahl als z.B. mit dem Schnellauswahlwerkzeug. Schließlich müsst ihr ja die gesamte Kante des Produktes abfahren. Bei scharfen Kanten und einem hohen Kontrast zwischen Hintergrund und dem Objekt selbst funktioniert dies ganz gut. Bei hellen Produkten hat aber auch diese Methode noch grobe Nachteile.

Das Polygon Lasso (Polygonal Lasso Tool) funktioniert ähnlich, nur dass es sich nicht automatisch anschmiegt. Bei jedem Klick setzt ihr einen neuen Fixpunkt, von dem ihr euch um das ganze Produkt hanteln könnt. Richtig Sinn macht auch das nicht immer. Eckige Produkte lassen sich ziemlich genau ausschneiden. Sind auch Rundungen vorhanden, versagt das Polygon Lasso sehr schnell.

Im Gegensatz zu früheren Methoden haben wir jetzt das Objekt und nicht mehr den Hintergrund ausgewählt. Um den Hintergrund auszuwählen, müsst ihr die Auswahl umkehren (STRG + Umschalt + I) und könnt dann wie gewohnt den Hintergrund löschen.

Lasso Tools

Methode 5: Freistellen mit Pfaden

Jetzt sind wir sozusagen bei der Königsdisziplin angelangt. Das Zeichenstift-Werkzeug (Pen Tool) mit der Option Pfad (Path) funktioniert ähnlich wie das Polygon Lasso. Der Unterschied ist jedoch, dass auch Rundungen nachgezogen werden können. Der Genauigkeit sind somit keine Grenzen mehr gesetzt, doch diese Methode ist auch sicherlich die zeitaufwendigste. Das ganze Objekt ist nachzuziehen. Zum Schluss ist übrigens keine Auswahl, sondern ein Pfad erstellt worden. Diesen müsst ihr nun noch in eine Auswahl umwandeln. Diese Option findet ihr im Kontextmenu (Rechtsklick).

Freistellen mit der Nik Collection

Die Nik Collection von Google ist ein unersetzliches Add-On für Lightroom und Photoshop, wenn es um Bildbearbeitung geht. Für die Produktfotografie ist es allerdings kaum zu gebrauchen. Doch bei manchen schwierigen Fotos kann (aber muss nicht) Viveza 2 gute Ergebnisse bringen. Dazu wird das Bild in Viveza geöffnet und es werden ausreichend Kontrollpunkte im weißen Hintergrund und auf dem Produkt platziert. Alle Hintergrund-Kontrollpunkte werden gruppiert, ebenso die Produkt-Kontrollpunkte. Bei den Hintergrund-Kontrollpunkten können wir nun die Helligkeit erhöhen. Der große Vorteil ist, dass immer ein Resteinfluss auf das Produkt selbst bleibt und die Belichtung natürlicher wirkt. Doch wirklich verwenden tue ich diese Methode nur bei manchen Gruppenfotos.

Freistellen? Freistellen lassen!

Wie ihr sehen konntet, ist keine Methode sowohl genau als auch schnell. Alle schnellen Methoden erzeugen falsche Farben am Produkt oder ungenaue Kanten. Will man die freigestellten Produktbilder auch auf anderen Hintergründen (z. B. auf Plakaten oder anderen Fotomontagen) verwenden, wird man für diese Ungenauigkeit schnell bestraft. Andererseits bekommt man vom Pfad-Freistellen sicher schnell einen Tennisarm.

Daher lautet meine Empfehlung allgemein: Freistellen lassen. Die Plattform Pixelz ist schon lange der Partner meiner Wahl. Hunderte Bilder wurden für mich dort schon freigestellt und noch nie gab es Probleme. Auch Gruppenfotos sind kein Problem und die Genauigkeit ist erstaunlich gut. Bei Kosten von aktuell 1,25 € pro Foto muss man sich fragen, ob einem das eigenhändige Freistellen mittels Pfad wirklich weniger wert ist. Schließlich ist ja auch die eigene Zeit wertvoll. Die Vorgaben sind vielseitig einstellbar und innerhalb von 24 Stunden erhaltet ihr einen Download Link mit den freigestellten Fotos.

Fazit

Auch wenn ich kaum noch ein Bild selbst freistelle, man sollte sich bewusst sein, welche Möglichkeiten es gibt. Nicht immer muss der Hintergrund perfekt weiß sein. Auf sozialen Medien wirken z. B. ein paar Schatten- und Spiegeleffekte ganz ansprechend. Die hier aufgelisteten Methoden helfen aber dabei, Details zu verschönern. Übrigens ist auch ein gutes Foto schon der beste Start für erfolgreiches Freistellen. Mehr zur Produktfotografie und zu Pixelz-Vorgaben könnt ihr in unserer Produktfotografie Anleitung nachlesen.

Fall ihr noch eine weitere Freistellmethode kennt, hinterlasst einen Kommentar! Ich freue mich, immer wieder dazu lernen zu können.

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