Auch das Wasserstoffauto ist ein Elektroauto

Business & Economics
von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 11.03.2020 09:24, zuletzt aktualisiert am: 11.03.2020 09:43

Auch das Wasserstoffauto ist ein Elektroauto

Neulich durfte ich ein sehr interessantes Gespräch mithören. Wien Hietzing, bei einer Tasse Tee kommt das ausgezehrte Raucherpärchen zum Tisch nebenan und fängt an zu sumpern: "Elektroautos sind ein Blödsinn, Wasserstoffautos sind die Zukunft".

Es wäre nicht so schlimm gewesen, wenn ich nicht am selben Tag auch noch einen Artikel mit Georg Kapsch (Präsident der Industriellenvereinigung) gelesen hätte. Auch dieser gibt von sich: "E-Mobilität ist eine Übergangstechnologie, die nicht nachhaltig ist. … Bei Wasserstoff und Brennstoffzelle könnten wir wiederum eine Vorreiterrolle einnehmen.".

Eine andere Art von Batterie

Dabei verstehe ich nicht, warum sie so einen Unterschied machen. Denn der Antrieb von Elektroautos und Wasserstoffautos ist in der Regel der gleiche. Zwar gibt es theoretisch folgende Antriebsarten mit Wasserstoff:

  • Wasserstoff-Gasturbinenfahrzeug
  • Wasserstoff-Raketenantrieb
  • Wasserstoff-Verbrennungsfahrzeug
  • Brennstoffzellenfahrzeug

Sinnvoll für Autos sind nur die letzten beiden, gemeint ist heutzutage allerdings die Brennstoffzellen Variante. Die Entwicklung von Wasserstoff-Verbrennungsfahrzeugen steht nämlich zur Zeit (Liste der Wasserstoff-Verbrennungsfahrzeuge). Nun liefert die Brennstoffzelle in Kombination mit den Wasserstofftank elektrische Energie mit der ein Elektromotor angetrieben wird. Anders gesagt, besteht ein Wasserstoffauto heutzutage aus einem Elektroauto dessen "Batterie" eine Brennstoffzelle mit Wasserstofftank darstellt. Oftmals wird sogar eine herkömmliche Batterie als Puffer dazwischengeschaltet!

Wenn also das Wasserstoffauto gewinnt, gewinnt auch das Elektroauto.

Kritik an der Lithium-Ionen-Batterie

Selbstverständlich könnte man nicht das Elektroauto selbst kritisieren sondern die aktuelle Lithium-Ionen-Batterie. Dass diese Technologie fernab ab des Optimums ist, bestreitet wohl niemand. Es werden seltene Rohstoffe benötigt, die Produktion ist energieaufwändig, die Speichermenge begrenzt.

Daher wird auch an anderen Batterietechnologien geforscht. Denkbar sind daher Elektroautos mit folgenden Batterien*:

  • Elektroautos mit Lithium-Ionen-Batterie
  • Elektroautos mit Wasserstoff-Brennstoffzelle-"Batterie"
  • Elektroautos mit Feststoffbatterie, z.B. dem Glas Akku
  • Elektroautos mit ganz neuartigen Batterien, die heute noch nicht vorstellbar sind

Die Eierlegendewollmilchsau wurde aber noch nicht gefunden. Beim Wasserstoff sind z.B. noch einige Probleme zu überwinden:

  • Die Produktion mittels Elektrolyse ist aufwändig
  • Das Gas ist extrem flüchtig, Tanks und Leitungen müssen daher deutlich besser abgedichtet werden als bei Diesel und Benzin
  • Auch bei Wasserstoff besteht eine Explosions- und Entzündungsgefahr
  • Brennstoffzellen sind teuer

Wie geht es mit der Batterie weiter

Welchen Energiespeicher unser Elektroauto der Zukunft also haben wird, ist noch offen. Ich bin sehr froh, dass am Wasserstoffantrieb gearbeitet wird. Sofern sich die Probleme beim Wasserstoff schneller lösen lassen als bei der herkömmlichen Batterie, hat die Technologie gute Chancen.

Entwickeln sich allerdings Feststoffbatterien umso schneller, und so sieht es aktuell aus, muss man sich gut fragen ob Wasserstoff die richtige Lösung für die Mehrheit der Anwendungsfälle ("den Durchschnitts-PKW") ist. Schließlich habe man bei Wasserstoff einen Schritt mehr zu bewältigen, man muss Strom in Wasserstoff umwandeln, diesen transportieren, lagern und dann wieder von Wasserstoff in Strom umwandeln. Die herkömmliche Batterie kann hingegen an jeder Steckdose geladen werden (auch wenn ein entsprechender Netzausbau notwendig wird).

Wünschenswert wäre daher etwas mehr Professionalität, insbesondere in der Politik und bei politiknahen Personen. Anstatt Wasserstoff zu beschwören, sollte man technologieoffen in die Zukunft blicken. Auch wenn die Lithium-Ionen-Batterie ein schlechtes Image hat, muss nicht die Batterie im Allgemeinen als schlecht dargestellt werden. Vor allem wenn es sich so oder so um ein Elektroauto handelt und sich nur in der Art und Weise des Energiespeichers unterscheidet.

Also bitte ich Sie, vom Wiener-Wirtshaus-Suderanten bis zum Präsidenten der Industriellenvereinigung, schimpfen Sie - wenn nötig - über die Lithium-Ionen-Batterie und nicht über das Elektroauto!

*zwar wird eine Batterie aktuell als Speicher von elektrischer Energie definiert. Allerdings erlaube ich mir hier die Definition zu erweitern. So gibt es interessante Energiespeicher wie z.B. Pumpkraftwerke oder auch Schwerkraftkraftwerke. All diese erfüllen die Grundintention einer Batterie, und zwar zu einem späteren Zeitpunkt elektrische Energie bereitzustellen.



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