COVID-19 Meinung: Öffnet endlich die Geschäfte - aber schlau

Wirtschaft
von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 20.03.2020 17:28, zuletzt aktualisiert am: 20.03.2020 17:28
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COVID-19 Meinung: Öffnet endlich die Geschäfte - aber schlau

Zuallererst muss man sich gerade bei der österreichischen Regierung für die schnellen und drastischen, aber richtigen, Maßnahmen bedanken. Ein Blick auf Italien genügt: sobald das Gesundheitssystem überlastet, steigen die Sterberaten drastisch an. Der Lockdown ist also gut und richtig.

Allerdings ist es gerade wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Bei den Worten EZB Bazooka, Helikoptergeld, 48 Milliarden, “koste es was es wolle” und so weiter wird mir Angst und Bange. All dies sind grobe wirtschaftliche Experimente, dessen Schaden nicht abzuschätzen ist. Und der Worst Case dieses Schadens liegt in Hunger und Armut - möglicherweise Jahrzehntelang.

Wir hatten nun eine Woche Zeit, uns Gedanken über die Ausgangssperre und Geschäftsschließungen zu machen. Es ist daher an der Zeit schlauer zu werden.
Ich möchte diese Seite nutzen, um Ideen zu sammeln, wie der wirtschaftliche Betrieb aufrechterhalten werden kann. Dazu ist nicht nur die Kreativität des Einzelnen gefragt sondern auch die entsprechende gesetzliche Regelung sowie die Mitwirkung auf Bunde- bzw. Parlamentsebene.

Abholmarkt

In vielen Branchen scheint mir das vergleichsweise einfach lösbar zu sein. Es handelt sich z.B. in Baumärkten um große Hallen und weit verstreut die Gänge. Und wie man es aus Baumärkten kennt, kann man die Mitarbeiter besonders breit verstreuen. Der einzige Unterschied, auch für Männer gibt es keinen Schoppen mehr. Bestellungen nur telefonisch, per E-Mail oder am besten über ein Web System abgeben, die Mitarbeiter stellen die Ware in einem individuellen Einkaufswagen zusammen. Man bekommt eine Abholzeit vorgeschrieben, an die man sich halten muss. So kann man auch das gleichzeitige Aufkommen der Kunden gut steuern. Bezahlt wird online oder per digitaler Rechnung.

Ob und wie weit sich dies für andere Branchen eignet ist natürlich zu prüfen. Allerdings denke ich dass es auch für Drogerien, Holzmärkte, Möbelhäuser, etc. möglich ist. Auch für Bekleidungsgeschäfte lässt sich die Frage stellen. Anprobieren fällt halt fürs erste weg, zurückgegebene Ware kommt z.B. 48 Stunden in trockene “Quarantäne” oder wird UV bestrahlt.

Hier ist das Parlament am Zug, solche Lösungen abzusegnen und Branchenempfehlungen abzugeben.

Einchecken und Auschecken mittels QR Code

Die maximale Anzahl an Personen in einem Raum ist ein wichtiger Faktor bei der Bekämpfung von COVID-19. Es ist daher gut und richtig, diese aktuell zu beschränken. Doch wie beschränkt man die Zahl der Kunden in einem großen Geschäft? Bei sehr kleinen Geschäften kann das noch durch den Geschäftsinhaber oder Mitarbeiter passieren. Hier kann der Einzel-Einlass passieren oder z.B. einer Beschränkung von einer Person je 20 Quadratmeter eingeführt werden. Und bei größeren Geschäften?

Die einfache Antwort bietet eine App. Ein Mitarbeiter oder Security-Mitarbeiter und ein QR-Code stehen an der Tür. Möchte man das Geschäft betreten muss man den QR-Code einscannen. Beim Ausgang steht ebenso ein QR-Code, der zum Auschecken eingescannt werden muss. Im Hintergrund zählt ein Server die Anzahl der Personen. Ist das Geschäft voll, muss im Auto gewartet werden. Eine Website wiederum zeigt an, ob das Geschäft gerade “besuchbar” ist oder nicht.
Die App selbst muss natürlich von einer zentralen Stelle zur Verfügung gestellt werden. Im Verhältnis zu 48 Milliarden Euro sollte jedoch die Programmierung einer solchen App seitens des Bundes leicht fallen.

Unternehmer: Erstellen Sie eine Website und/oder ein Bestellformular

Viele Unternehmen sind heutzutage leider nicht online. Doch vor Ort shoppen und stöbern ist aktuell gesundheitsgefährdend gefährlich und verboten. Das ist allerdings nicht immer ein Grund, das Geschäft ganz aufzugeben und in Zwangsurlaub zu gehen. Es gibt dutzende simple und günstige Baukästen mit der in Minutenschnelle eine einfache Website erstellt werden kann. Registrieren Sie sich z.B. bei einem der folgenden Services:

Und stellen Sie Ihr Sortiment online:

  • Erstellen Sie Produkt-Tabellen
  • Scannen Sie zur Not Preislisten einfach ein
  • Bieten Sie Ihren Kunden einen Ablauf und erklären Sie, wie der Einkauf aktuell funktioniert

Teilweise ist die Nutzung solcher Dienste kostenlos, andererseits übersteigen selbst die Premiumpakete meist nicht 20 € pro Monat. Was ist das im Vergleich zu einem Umsatzverlust im Bereich tausender Euro.

Zudem können Sie zu einem Bestell-Formular verlinken. Google Forms bietet eine sehr sehr einfache Methode, ein Eingabeformular zu erstellen, z.B. mit Vorname, Nachname, Adresse und den zu bestellenden Produkten. Auch wenn dies für manche technisches Neuland zu sein scheint, die Alternative ist Geschäft zu, Umsatz weg. Beschreiten Sie den mutigen Weg anstatt auf Hilfe zu hoffen, die womöglich zu spät oder zu wenig kommt.

Auch hier kann die Regierung mithelfen, indem temporär der gesetzliche Anspruch an Websites gemindert wird. So kann für die Zeit des COVID-19-Ausnahmezustands bei Klein- und Kleinstunternehmen durchaus die mehrseitige Datenschutzerklärung fehlen und das Impressum etwas mager sein.

Zustelldienst eröffnen

Bevor die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, können Sie auch mit dem Auto fahren. Eine Bestellung erfolgt per Telefon, E-Mail oder Online-Formular. Und ein Mitarbeiter, natürlich mit Maske und Handschuhen, fährt zum jeweiligen Kunden nach Hause. Das Paket wird vor der Haustüre abgestellt, der Kunde angerufen. Die Bezahlung erfolgt digital oder per Rechnung und Überweisung.

Masken-Pflicht

Die Schutzmasken standen von Anfang an in Verruf. Sie wurden aus den falschen Gründen gekauft, das heißt aber nicht dass sie kein wirksames Mittel sind. Tschechien geht vor, wer rausgeht nur mit Schutzmaske. Macht das Sinn? Ziemlich wahrscheinlich ja. Da die Hauptansteckungsvariante eine Tröpfcheninfektion zu sein scheint, ist es am besten, wenn man das Tröpfchen vermeidet. Und einen Großteil dieser Tröpfchen vermeidet man eben mit einer Maske vor dem Mund.
Natürlich müssen die Masken verfügbar sein. Auch hier sehe ich lieber die Regierung viel Geld für “teure” Masken ausgeben, als viel mehr Geld für teure Rettungsaktionen. Doch wie sieht es aus mit Zeitungsherstellern, Druckereien und vielen Papier und Zellulose Betrieben aus? BYD macht es vor und wurde innerhalb kürzester Zeit zum weltgrößten Schutzmasken Hersteller. Ich denke, ähnliches schafft auch die österreichische Papier- und Zellulose Industrie.

Kontaktlos zahlen - Limit erhöhen

Zurzeit kann man kontaktlos nur Beträge unter 25 € bezahlen. Das bedeutet, dass man aber gerade beim größeren Lebensmitteleinkauf immer wieder das Pinpad der Bankomatkasse angreifen muss und einer möglichen Schmierinfektion ausgesetzt ist. Zumindest temporär sollte das Limit daher auf 50 € oder vielleicht sogar 75 bis 100 € erhöht werden. So würde viel indirekter Körperkontakt vermieden werden. Sofern es technisch schnell umsetzbar ist sollte man diese Maßnahme rasche ergreifen, insbesondere, das sich kontaktlos Zahlen als wesentlich sicherer herausgestellt hat als ursprünglich angenommen.

Wie kann man digital Geld empfangen?

Neben der Möglichkeit von E-Banking und per Überweisung, kann ich nur wärmstens PayPal empfehlen. Mit einem Geschäftskonto von PayPal können Sie Geld einfach anfordern und sogar online Rechnungen erstellen. Kunden können dann per Kreditkarte und Bankeinzug bezahlen. Als Händler haben Sie das Geld sofort auf Ihrem PayPal Konto zur Auszahlung verfügbar. Für alle, die noch kein entsprechendes Online-System haben, eignet sich diese Methode gut, vor allem da sie sehr schnell und einfach einzurichten ist. Einzig die Freischaltung könnte zur Zeit einige Tage dauern, bis Ihnen PayPal in vollem Umfang zur Verfügung steht. 

So funktioniert es: PayPal Übersicht zum Rechnung versenden

Was ist mit älteren Kunden?

Viele dieser Lösungen setzen eine gewisse Digitalisierung voraus. Nicht jeder hat E-Banking, nicht jeder hat ein Smartphone mit QR Code Scanner. Hier ist der Aufruf zur Solidarität notwendig. In den allermeisten Fällen wird es Nachbarn, Freunde oder Bekannte geben, die den Einkauf erledigen können. Für viele andere ist es an der Zeit, sich mit Ihrem Smartphone zu befreunden. In meinem persönlichen Umfeld gibt es eine enorme Anzahl von älteren Personen, die sich plötzlich und nach jahrelangem Widerstand doch mit dem Smartphone anfreunden können. Vielerorts geht es hier nicht um Können sondern um Wollen. Diese persönliche Befindlichkeit sollte allerdings in einer Krise diesen Ausmaßes nicht im Wege stehen.

Also Selbstverantwortung wo möglich, Solidarität und Hilfe wo notwendig!

Disclaimer

Allem voran: halten Sie sich zurück! Gehen Sie weniger oft einkaufen und denken Sie VORHER nach, was Sie brauchen. Jede mögliche Erleichterung des Ausnahmezustandes sollte mit Vorsicht und einer Extraportion gesundem Hausverstand genossen werden!

Ich beschäftige mich seit ca 15 Jahren mit Technik und vor allem dem Web. Zudem habe ich eine langjährige betriebswirtschaftliche Ausbildung. Selbstverständlich bin ich gegenüber dem Internet und der Ökonomie daher etwas voreingenommen, dennnoch hilft uns die Digitalisierung verbunden mit kreativen Lösungen hier den persönlichen Kontakt und somit die Ansteckungsgefahr weitgehend zu vermeiden, ohne die Wirtschaft mit Vollgas gegen die Wand zu fahren. Ich denke, es wäre fahrlässig nicht zumindest über solche Ideen zu reden.

Trotzdem sind viele dieser Ideen, nun ja, Ideen. Gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen. Alle Ideen hier haben sicherlich ihre Schwierigkeiten. Möglicherweise sind sie auch nicht umsetzbar. Sollten Sie selbst jedoch eine gute Idee haben, hinterlassen Sie einen Kommentar in diesem Beitrag. Ich werde versuchen besonders gute oder häufig vorkommende Ideen in diesen Beitrag zu ergänzen und damit z.B. die Neos zu nerven diese möglicherweise im Parlament einzubringen.

 



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