Drei Hui Flat LTE und WebGate 3 Review

Technik
von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 11.04.2015 10:16, zuletzt aktualisiert am: 21.06.2021 09:39

Drei Hui Flat LTE und WebGate 3 Review

Mit der Hui Flat 150 von Drei habe ich nun den zweiten LTE-Praxistest angetreten. Grund für das Upgrade von T-Mobile war vor allem die höhere Geschwindigkeit. Passend dazu gab es neue Hardware, das Webgate 3. Erfahrungsbericht.

Tarif, Test & Standort

Drei bietet unterschiedliche Tarifstufen an. In den niedrigsten drei Stufen muss man sich mit dem UMTS Netz begnügen, ab Hui Flat 30 gibt es dann LTE. Ich habe mir die Hui Flat 150 zugelegt. Diese Bandbreite hat seinen Preis, wird aber in meinem Fall auch genutzt, um öfter mal größere Datenmengen zu transferieren. Für den Test eignet sich das Paket aber hervorragend. Somit kann ich das Geschwindigkeitsversprechen gut testen. Standort: Grazer Innenstadt, volle LTE Abdeckung.

Kritisch sind die Hui Flat SIM Tarife zu betrachten. Hier erhält man für sein Geld vergleichsweise wenig Leistung. Mit 20 GB Full-Speed-Beschränkung, ohne LTE und einer maximalen Geschwindigkeit von 10 Mbit/s macht Drei die SIM-only Varianten wohl absichtlich unattraktiv, um die Tarife mit Endgerät bevorzugt zu verkaufen. Sehr schade.

Echte Daten-Flatrate mit Kostensicherheit

Die Lieferung über einen Small-Business-Partner von Drei (handyandmore.at, Helmux Weixler, helmut.weixler@handyandmore.at) hat reibungslos funktioniert. Die SIM-Karte war bereits eingelegt, das Gerät für den normalen Bedarfsfall fertig eingerichtet. Also anstecken und lossurfen. Ab Hui Flat 20 sind alle Tarife echt unlimitiert und ohne Drosselung. Auch 200 – 400 GB sind bei mir bisher kein Problem gewesen. Roaming ist standardmäßig deaktiviert und wenn man mit der SIM-Karte nicht gerade SMS verschickt und telefoniert hat man eine dauerhafte Kostensicherheit. Noch ein Vorteil: die Drei Kundenzone App lässt sich im Heim-WLAN verwenden.

Problemlos lässt sich in die Benutzeroberfläche des Gerätes einsteigen. Ebenfalls positiv ist, dass in der Firmware eine Vielzahl von Einstellungen möglich sind und die Software allgemein weniger angepasst wurde als dies bei anderen Providern der Fall ist. Im Gegensatz zur Home Net Box von T-Mobile lässt sich somit das interne WLAN auch ohne Tricks einfach ausschalten und mein übliches Set-Up lies sich problemlos einrichten: internes WLAN aus, DHCP aus, LAN-Kabel zum WLAN-Router Netgear WNR3500Lv2 mit der After-market-Software Tomato (by shibby).

Netgear WNR3500Lv2 für besseren WLAN-Empfang
Netgear WNR3500Lv2 für besseren WLAN-Empfang

Dieses Set-Up hat drei Vorteile. Egal welcher Netzanbieter verwendet wird, meine Heimnetzwerkeinstellungen bleiben gleich – kein Gerät muss neu verbunden werden. Zweitens lassen sich wesentlichen mehr Optionen einstellen und somit ein besseres Netzwerk aufbauen – auch mit einer zweiten Sicherheitsschranke, die angesichts der häufigen Sicherheitswarnungen zu Routern ganz praktikabel sein dürfte. Drittens kann damit das Modem-Gerät für optimalen Empfang ans Fenster gestellt werden, während der WLAN-Router mittig in der Wohnung aufgestellt werden kann.

LTE – Long Term Evolution mit kleineren Abbrüchen

Die Verbindung selbst ist schnell und stabil. Zwar erreiche ich (zumindest ohne Richtfunkantenne) nicht die vollen 150 Mbit/s, aber bis zu 100 Mbit/s werden es schon. Der Upload schafft nahezu die versprochenen 50 Mbit/s. Man kann problemlos Netflix schauen, nebenbei Softwareupdates herunterladen und gleichzeitig einen FTP-Upload laufen lassen. Auch der Ping ist mit 25 bis 30 ms, wie von LTE Netzen gewohnt, konstant hervorragend.

Speedtest im Drei-Netz nach Linz
Speedtest im Drei-Netz nach Linz

Speedtest im Drei-Netz nach Graz
Speedtest im Drei-Netz nach Graz

Speedtest im Drei-Netz nach Wien
Speedtest im Drei-Netz nach Wien

Einzige Ausnahme sind gelegentliche Abbrüche, wenn man viele Verbindungen zu einer IP-Adresse aufbaut. Besonders wenn man schnell viele Tabs (z.B. mit einem mittleren Mausklick oder STRG + Linksklick) öffnet, versagt hier irgendeine Komponente. Das Problem tritt aber nur vereinzelt auf und lässt sich oft durch einen Neustart des Modems lösen. Verwendet man einen VPN (link), tritt das Problem übrigens ebenfalls nicht mehr auf. Daher wird es sich wohl um ein Firmware Problem handeln, was, angesichts des doch noch sehr jungen Geräts, eine frühe Fehlerbeseitigung durch ein Update erhoffen lässt. Beim normalen Surfen ist das Problem nie aufgetreten und die tatsächliche Beeinträchtigung ist eher gering. Dies sollte kein Grund sein, das Produkt nicht zu verwenden, wenn man als Alternative eine (m.E.) in Summe genauso fehleranfällige A1 8 Mbit/s Leitung als Alternative hat. Besonders wenn man zusätzlich das regelmäßig schlechte Abschneiden anderer Anbieter in der Netflix Speed Index Bewertung beachtet.

Das Problem wird auch im LTEForum diskutiert. Momentan scheint es jedoch so, als ob Drei das Problem gelöst hätte, da es seit einiger Zeit nun nicht mehr auftrat.

Auch Gaming war kein Problem. The Elder Scrolls Online zusätzlich zu Teamspeak läuft problemlos ohne Ruckler.

Natürlich sollte man die Netzabdeckung vorab prüfen. Online kann man am Ende der Netzabdeckungsseite prüfen, ob LTE an der eigenen Adresse verfügbar ist. Auch der richtige Modemstandort im Haus ist entscheidend. Je höher der dB-Wert im Modem Menu, desto besser der Empfang. Auf www.senderkataster.at/karte kann man zudem nachsehen, wo sich der nächste Sendemasten befindet, um so auch den Modem Standort in der Wohnung zu optimieren. Leider sieht man nicht, welchem Netzbetreiber der Masten gehört, sodass etwas Probieren notwendig ist. Um die Geschwindigkeit zu testen sollte man übrigens mehrere Speedtest-Server verwenden, viele schaffen meiner Erfahrung nach die 150 Mbit/s überhaupt nicht. Als sehr stabil und mit hoher Bandbreite kann ich den Linz LIWEST Server empfehlen.

3Webgate 3 Gerät & Antennen

Das Gerät selbst ist überraschend kompakt und sieht auf den Fotos eigentlich größer aus. Möchte man die Standardeinstellungen benutzen, muss man es eigentlich nur noch an die Steckdose hängen und kann lossurfen. Möchte man Änderungen an gewissen Einstellungen (z.B. Modem-IP-Adresse) vornehmen, muss man vorher jedoch die Verbindung trennen, da diese Punkte ansonsten grau hinterlegt und somit gesperrt sind.

Neben den gelegentlichen Abbrüchen bei Massenbearbeitungen hat das Gerät einen zweiten Fehler, der jedoch ausschließlich optischer Natur ist. Deaktiviert man das interne WLAN leuchtet die LED-Statuslampe am Gerät selbst noch immer, das WLAN aber ist dennoch aus.

WiFi LED bleibt an, obwohl WLAN ausgeschaltet wurde
WiFi LED bleibt an, obwohl WLAN ausgeschaltet wurde

Zu den Antennen gilt, je ländlicher, desto sinnvoller ist eine Antenne. Besonders sinnvoll sind Richtfunkantennen, wenn man freie Sicht auf den nächsten 3-LTE-Sendemasten hat. Bei der Wahl ist die Frequenz entscheiden, Drei bedient in sich in Städten typischerweise der 2600- und 1800-Frequenz, am Land eher der 800-Frequenz (Korrektur: Drei besitzt keine 800-Frequenzrechte, landesweit kommt daher nur die 1800-Frequenz zum Einsatz, mehr Infos gibt es auf der RTR-Website). Außerdem müssen die Antennen den LTE-typsichen Mimo-Kurzschluss beherrschen, da das Modem ansonsten die Antennen ignoriert. Einstellen muss man die Antennen übrigens nicht, das Gerät erkennt sie nach einem Neustart automatisch, wenn Sie kompatibel sind.

WebGate 3 steht am Fenster für besseren Empfang
WebGate 3 steht am Fenster für besseren Empfang

Unbrauchbar sind hingegen die Drei-Antennen. Diese sind nur für das Webgate 1 & 2 zu gebrauchen und funktionieren, mangels Kurzschluss, an der dritten Version des Gerätes nicht. Ob diese Zimmerantennen überhaupt sinnvoll sind, ist wohl im Einzelfall zu prüfen. Man sollte mit dem Verkäufer stets ein Rückgaberecht für den Fall eines erfolglosen Tests vereinbaren. Selbst verwende ich aktuelle keine Antennen. Stattdessen habe ich die Position des Modems optimiert. Da ich keine freie Sicht auf einen LTE-Masten habe und einfache Zimmerantennen bei ohnehin schon gutem Innenstadtempfang keine wesentliche Verbesserung bringen, habe ich mich dagegen entschlossen.

Nachtrag: Ein Blick in das Produktdatenblatt verrät noch einen Konzeptionsfehler des Gerätes. Die LAN Ausgänge bieten nur maximal 100 Mbit/s und unterschlagen für diese Art der Verbindung bis zu 50 Mbit/s. Als kleines Trostpflaster bleibt hier nur der Fakt, dass man mit mehreren Geräten gleichzeitig dennoch die volle Bandbreite von 150 Mbit/s nutzen kann, z.B. wenn der Fernseher gerade Netflix über LAN 1 lädt und am PC ein Download über LAN 2 läuft. Dennoch schade.

Leider ist Gigabit-Lan auch bei vielen anderen Gerät nicht üblich. Ein Weg, die volle Bandbreite dennoch ins Heimnetzwerk zu bekommen, führt über einen LTE-Datenstick, z.B. dem Huawei E3372, der an einen kompatiblen WLAN-Router gesteckt wird.

Empfehlungen

Wer seinen Internetzugang ausschließlich privat nutzen möchte und keine größeren Datenmengen transferiert, sollte sich wohl mit dem Hui Flat 30 Paket um 25 € begnügen. Dieses Paket dürfte selbst für 3-4 gleichzeitige Netflix Streams in HD ausreichen. Möchte man einen eigenen WLAN-Router verwenden, kann ich den Netgear WNR3500Lv2 trotz seines Alters noch wärmstens empfehlen. Durch das relative junge Hardware-Refresh hat der Router eine starke Leistung und mit der passenden Firmware lässt sich noch so einiges aus dem Gerät holen. Als dauerhafter VPN-Client eignet sich das Gerät übrigens nicht, hierzu ist die Hardware dann doch zu schwach. Um jedoch hierfür ein zufriedenstellendes Gerät zu finden, wird man wahrscheinlich das fünf- bis zehnfache ausgeben müssen.

Auch den Webgate-Router würde ich nicht ersetzen. Mangels guter Alternativen ist das mitgelieferte Webgate 3 ein durchaus brauchbares Gerät, bei dem sich ein zwanghaftes Ersetzen nicht lohnt. Durch die fehlenden fairen SIM-only Tarife muss man es ohnehin erwerben. Leider mit branchenüblichen SIM-Lock und gebrandeter Hard- und Software.

Zum Schluss noch ein Wunsch an die Netzbetreiber und Modem-Industrie: Schafft bitte den SIM-Lock ab, verzichtet auf Firmware Modifikationen (für schnellere Updates!) und bietet faire SIM-only Tarife an, bei denen man auch selbst die Wahl des Endgerätes hat. Ansonsten kann ich LTE-Internet nur empfehlen und hoffe, dass ihr euch über diese ungeahnten Geschwindigkeit freut. Mein Fazit hat sich auch nach diesem Test wieder bestätigt: LTE ist ein echter Ersatz für kabelgebundenes Breitband.



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