Fotografieren im manuellen Modus: Blende, Verschlusszeit & ISO einfach erklärt

Technik
von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 09.09.2015 10:21, zuletzt aktualisiert am: 09.03.2021 16:32

Aller Anfang ist schwer - auch bei der Fotografie. Da hat man die neue DSLR oder Systemkamera in der Hand, schaltet den manuellen Modus ein und kommt drauf, dass es drei Einstellungen gibt, die auf den ersten Blick das gleiche tun: die Helligkeit regeln. Auf den zweiten Blick steckt mehr dahinter.

Jetzt musste ich in letzter Zeit den Unterschied zwischen Verschlusszeit, Blendenöffnung und ISO-Wert öfters erklären. Doch eigentlich ist das ganz einfach. Vielleicht half mir damals eine bestimmte Grafik, das Konzept schnell zu verstehen. Dies war die Foto-Cheatcard vom hamburger-fotospots.de Blog, die ich euch wieder herausgesucht habe.

Foto Cheatcard
Foto Cheatcard, Bildquelle: blog.hamburger-fotospots.de

In aller Kürze möchte ich aber noch die Einstellungen durchgehen:

Manueller Modus

1. Blende

Die Einstellung der Blende oder Blendenöffnung (engl.: Aperture) regelt schlichtweg nur, wie viel Licht durch das Objektiv zum Sensor gelangt. Die Blende ist dabei eine Art mechanischer Ring, bestehend aus mehreren Lamellen, der in der Mitte ein großes Loch (viel Licht) oder ein kleines Loch (wenig Licht) erzeugen kann. Ähnlich, wie wenn man mit Daumen und Ringfinger einen Kreis formt und diesen enger oder größer macht.

Je weiter offen wir die Blende lassen, desto mehr Licht fällt durch und desto heller wird das Bild. Neben der Helligkeit gibt es aber noch einen zweiten Effekt: die Schärfentiefe. Eine offene Blende hat nur einen geringen Fokusbereich, der scharf dargestellt werden kann. So erzeugt man den Effekt eines unscharfen, verschwommenen Hintergrundes (Bokeh). Möchte man hingegen ein scharfes Bild mit scharfen Kanten - z.B. für Produktfotografie - haben, wird man eher eine kleine Blende benutzen.

Die Notierung ist auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig. Bei z.B. 1.4 ist die Blende weit offen, während 32 eine sehr kleine Blende ist. Oft schreibt man auch f/1.4 bzw. f/32 oder 1:1.4 bzw 1:32. Besonders mit der letzten Form kann man gut erklären, warum das so ist. 1:1 wäre eine volle Öffnung der Blende im Verhältnis zur Brennweite (f) während 1:32 hingegen nur wenig Licht hindurchlässt.

Als Faustregel für den Alltag gilt: die beste Bildqualität erzeugt die Kamera tendenziell eher bei einer mittleren Blendenöffnung, zwischen f/7 und f/13.

2. Verschlusszeit

Die Verschlusszeit (engl.: Shutter Speed) ist ganz einfach erklärt. Sie beschreibt einfach nur die Dauer, in welcher Licht zum Sensor durchgelassen wird. Man kann auch Belichtungszeit dazu sagen. Die Angabe erfolgt in Sekunden oder Bruchteilen von Sekunden.

Abermals kann man damit die Helligkeit des Bildes steuern. Der zusätzliche Effekt ist aber die Bewegungsunschärfe. Bewegt sich ein Objekt bei kurzer Verschlusszeit (z.B. 1/1000 Sekunde) vor dem Objektiv, wird es wie ein Standbild aussehen. Hat man hingegen eine lange Verschlusszeit gewählt (z.B. 1/2 Sekunde), wird es mit Sicherheit verschwommen sein. Sehr gut kann man das an fließendem Wasser testen. Mit kurzer Verschlusszeit sieht man jeden Tropfen einzeln, mit langer Verschlusszeit bekommt man richtig weiches Wasser. Bei Belichtungszeiten ab 1/40 Sekunde benötigt man eine ruhige Hand oder ein Stativ.

Die Faustregel hierfür sagt: Freihändig sollte die Verschlusszeit ungefähr dem Kehrwert der Brennweite entsprechen. Fotografiert man mit 50mm Brennweite, kann die Verschlusszeit 1/50 Sekunde betragen. Bei 240mm sollte man maximal eine 1/240 Sekunde wählen, um ein wackelfreies Bild zu erhalten.

3. ISO

Der ISO-Wert ist unsere dritte Einstellungsmöglichkeit für die Helligkeit. Er stellt die Lichtempfindlichkeit des Sensors ein.

Je höher der ISO Wert, desto lichtempfindlicher ist der Sensor. Aber auch hier gibt es wieder einen Nebeneffekt: Rauschen. Es handelt sich dabei um kleine Fehler des Sensors, der besonders dunkle Punkte nicht richtig interpretiert. Diese Fehler nehmen mit der Empfindlichkeit des Sensors zu.

Abseits irgendwelcher künstlerischen Gründe muss wohl die Faustregel gelten: Den ISO-Wert soll man so hoch wie notwendig aber so niedrig wie möglich einstellen. Er ist eigentlich tendenziell der letzte Wert, den ich einstelle. Mit ISO 100-200 schafft man die besten Bilder bei Sonnenlicht. In Räumen wird man schon öfters einen ISO Wert von 400-800 benötigen. Und nachts kommt man auch nicht um höhere Werte herum.

Die richtige Belichtung

Hat man eine Vorstellung, wie das Bild aussehen soll, kann man sich Gedanken machen, welche Werte man wählt. Zur Unterstützung zeigen Kameras den EV (Exposure Value) an. Meist ist das eine Skala mit dem Mittelpunkt 0 bis +/-2 oder ähnlich. Bei einem Wert von 0 glaubt die Kamerasoftware, dass das Bild richtig Belichtet ist. Die Kamera ist aber nicht allwissend und macht Fehler. Entscheiden muss noch immer der Fotograf. Auch wenn man viel nachbearbeiten kann, ist ein von vorne herein richtig belichtetes Bild - also weder über noch unterbelichtet - die Beste Grundlage.

Zwei wichtige Hilfefunktionen zum richtigen Exposure nahezu jeder Kamera sind daher die Messmethode und Fokusfelder. Die Messmethode kann entweder das ganze Bild erfassen und die Kamera zeigt an, ob das ganze Bild durchschnittlich richtig belichtet ist. Oder man wählt eine Spot-Messung, die nur prüft, ob ein bestimmter kleiner Bildausschnitt richtig belichtet ist. Welcher Bildausschnitt das ist, wird oft mit der Wahl des Fokusfeldes mitbestimmt.

Beispiele für manuelle Einstellungen

Zum Schluss möchte ich noch einige Beispiele bringen, wie man in verschiedenen Situationen die Kamera einstellen könnte. Dies sind grobe Orientierungshilfen und können in Abhängigkeit von den tatsächlichen Lichtverhältnissen und den verwendeten Geräten stark variieren.

Ziel Blende Verschlusszeit ISO
Landschaftfoto bei Sonnenschein f/10 1/400 s 100 
Portrait mit unscharfem Hintergrund (außen) f/4 1/600 s 100
Portrait mit unscharfem Hintergrund (innen) f/1.8 1/200 s 100
Produktfoto (mit Stativ) f/10 1/2 s 100
Party abends (innen) f/2 1/50 s 400
Weiches Wasser (außen) f/20 1 s 100
Sternenhimmel f/1.8 30 s 100
Insekten im Flug (außen) f/1.8 1/1000 s 400
Radfahrer mit Bewegungsunschräfe f/6 1/10 s 100
Stadt von oben in der Nacht (ohne Stativ) f/1.8 1/40 s 1200
Stadt von oben in der Nacht (mit Stativ) f/7 10 s 100


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