Google Pixel C Tablet Review - ein Tablet als Laptop Ersatz?

Reviews
von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 23.01.2016 18:30, zuletzt aktualisiert am: 23.01.2016 18:36

Google Pixel C Tablet Review - ein Tablet als Laptop Ersatz?

Google hat passend vor Weihnachten noch mal ausgepackt und das Pixel C auf den Tablet-Markt geschickt. Ist das Gerät aber nun wirklich ein Produktivitätstier oder einfach nur ein Tablet mit Tastatur? Dem gehe ich hier etwas auf den Grund.

Die ersten Meinungen zum Google Pixel C waren ja durchwegs gut - hatten jedoch einen großen Kritikpunkt. Google verkauft das Gerät als Laptop-Ersatz - als echtes Produktiv-Gerät und nicht nur als Entertainmaint-Device. Haben nun die Tester oder Google recht?

Hardware

Das Gerät kommt aktuell direkt (und exklusiv) aus dem Google Store und wird in einer außerordentlich sicher wirkenden Verpackung geliefert, dass man nur staunen kann. Die Tastatur kommt in einem seperaten Paket, sie ist schließlich auch separat zu kaufen und schlägt mit 149 € nochmal kräftig zu Buche.

Dafür fühlen sich beide Gerät über alle Maßen solide an. Kein wackliger Rücken, kein Durchbiegen, keine große Hitzeentwicklung bei stärkerer Belastung. Einzig die Optik (insb. die Farbe) ist schon fast understatement und wirkte in den Onlinevideos etwas ansprechender - aber das ist schon Kritik auf höchstem Niveau. Auch die Tastatur ist griffig, hochwertig, hat einen guten Druckpunkt und fühlt sich wie eine vollwertige Tastatur an. Das kommt vor allem durch die großen Tasten. Dafür fehlen einige andere Tasten. Die Caps-Lock-Taste wird durch die Suchen-Taste ersetzt, eine Entf.-, ESC-, Einf.- sowie einige Sonderzeichentasten wurden ersatzlos gestrichen - was sicherlich eine gute Entscheidung war. Auch Tasten für Home, Zurück oder Multitasting fehlen, sind aber mittels Tastenkürzel dann doch ganz brauchbar und in teilweiser gewohnter (Windows-) Manier auch unter Android verfügbar:

  • Suchen + Enter: Home
  • Suchen + Backspace: Zurück
  • Alt + Tab: Multitasking
  • Alt Gr + 1: ESC

Die Tastatur verbindet sich automatisch zum Tablet, sobald man andockt. Das Docking funktioniert übrigens erstaunlich gut und hält mit den eingebauten Magneten enorm fest. Zum richtigen Anfügen und Abnehmen sollte man jedoch einmal einen Blick in die Bedienungsanleitung wagen. Hat man die richtige Art und Weiße einmal entdeckt, gibt es nichts mehr zu meckern. Geladen wird die Tastatur dann kabellos, wenn man die beiden Teile wie einen geschlossen Laptop zusammenlegt. Ganz praktisch ist die Tastatur übrigens auch als Variante "dickes Tablet", also wenn man das Tablet mit dem Glas nach oben auf die Tastatur legt. so kann man es - Standfüßen sei dank - nämlich sorgenfrei auf jeden Untergrund legen, ohne sich sorgen über etwaiges Zerkratzen zu machen. Schade ist allerdings, dass die Tastatur nicht verwendet werden kann, wenn sie nicht am Tablet steckt.

Das Display ist hervorragend hell und spiegelt nicht allzusehr. Im Vergleich zum Nexus 9 oder auch iPad mini 2 lässt sich der Bildschirm auch unter Sonnenlicht etwas besser lesen. Das schwarz ist kräftig und gleichmäßig. Von Backlight-Bleeding ist keine Spur zu sehen. Das Verhältnis von 1:√2 ist übrigens nahezu eine geniale Wahl. Lesen im Hochformat fühlt sich so natürlich wie noch nie an (A4 Papier-Verhältnis), Schreiben funktioniert im Querformat ebenfalls super und schwarzen Balken beim Videoschauen (16:9 aber auch bei 4:3) sind natürlich vorhanden aber nur minimal. Dafür liegt es trotz verhältnismäßig hohem Gewicht gut in der Hand.

Die Lautstärketasten liegen auf der kurzen Seite links oben, der Ein-Aus-Knopf an der oberen Seite links (im Querformat betrachtet). Sie fühlen sich solide an und besitzen ein gute Haptik und einen guten Druckpunkt, doch gerade letzterer könnte etwas größer ausfallen. Außerdem wäre Tap-to-wake oder irgendeine andere Entsperrtechnologie wünschenswert. Das kommt aber ggf. noch als Softwareupdate. Hängt das Gerät an der Tastatur, kann es auch über diese aufgeweckt werden.

Auch der Kopfhörereingang und USB Typ C fehlen nicht. Zum USB Port gibt es allerdings einen großen Vorteil und einen kleinen Nachteil gegenüber anderen Geräten. Zuerst das Positive: Es handelt sich um einen voll funktionsfähigen USB 3.1 Port (im Gegensatz zu USB 2.0 beim Nexus 5X und Nexus 6P). Der Nachteil, abseits des allgemeinen Umstiegproblems auf den neuen Anschlusstyp, ist das Netzteil. Das eine Ende ist fest an den Stecker montiert. Kabel-Datentransfer ohne ein Zusatzkabel zu kaufen also ausgeschlossen.

Der Touchscreen ist gut, wenn man kein fehlerhaftes Gerät erwischt. Einge Glückpilze sowie frühe Tester berichteten von schwerwiegenden Eingabeproblemen, fehlerhaft erkannten Touch-Gesten und abgebrochenen Swipes bis hin zur gänzlichen Unbrauchbarkeit. Auch mein erstes Gerät war ein solches Montagsgerät. Wo der Fehler lag, weiß ich nicht. Google hat es aber anstandslos umgetauscht und das zweite Gerät funktioniert meist einwandfrei. Ab und zu ist jedoch ein Neustart nötig, da besagte Hänger und Ruckler wieder auftreten. Mehr dazu aber bei der Software.

Eine Kamera ist halt auch da. Vorne und hinten. Eine Tablet-Kamera eben. Dafür ist der Sound vollkommen in Ordnung. Die beiden Lautsprecher geben Stereo Klang nach links und rechts. Zwar zeigen Sie eben seitlich, das ist aber zu verkraften. Das Gerät hat sich insbesondere dank dieser beiden Lautsprecher als Streaming Gerät für unterwegs hervorgehoben. Die vier Mikrofone mit Noise-Cancelling sollten wohl noch zusätzlich für angenehme Videotelefonie sorgen.

Performancemäßig ist das Gerät mit dem Nvidia Tegra XI 64-bit Prozessor, 3 GB RAM und der Maxwell GPU wohl zukunftssicher ausgerüstet und wird wohl auch noch einige Android Versionen sehen.

Software

Android 6.0+ Marshmallow läuft in Nexus-ähnlichem Stil und gefällt mir auf dem Gerät eigentlich ganz gut. Auch die umplatzierten Home, Zurück und Multitastking Buttons fallen positiv auf (Standardmäßig wären diese in der Mitte). Der übrig gebliebene, freie Platz schreit aber nach Taskbar und Multitasking - ähnlich wie bei Windows eben. Mal sehen was hier noch folgt.

Das System ist intuitiv wie nie, man findet sich schnell zurecht, schließlich bietet es rein optisch wenig Neues.

Bei der Leistung gibt es allerdings Probleme. Wenn es funktioniert, läuft es wie geschmiert. Doch manchmal passierts und das Gerät wird unerträglich langsam. Dann hilft nur ein Neustart, was zu oben erwähnten Rucklern beim Touchscreen führt. Noch einmal neu starten und alles ist wieder paletti. Ich weiß nicht, ob es ein Softwarefehler ist oder nicht. Angeblich könnten die WLAN-Probleme damit zu tun haben. Passieren sollte dies bei so einem Gerät nicht. Es ist beherrschbar aber unschön. Allerdings sind die Beschwerden nicht massiv und man die Foren schon genau durchsuchen. Hab wohl etwas Pech gehabt.

Zudem ist das Gerät standardmäßig verschlüsselt. Schade nur, dass einem hier die Wahl abgenommen wird das Entschlüsseln nicht gerade trivial ist. Zwar soll die Verschlüsselung allgemein nicht viel am Tablet saugen, doch andererseits stellt sich die Frage, warum beispielsweise ein Wohnzimmertablet diesen hohen Sicherheitsstandard benötigt … ?

Nun gut, dies soll schließlich keine Android Review werden, daher genug von der Software. Kommen wir zur Kernfrage, die eingangs gestellt wurde.

Die Produktivitätsfrage

Ersetzt das Pixel C nun einen PC? Natürlich nicht. Kann man produktiv darauf arbeiten? Absolut. Diesen Artikel hier schreibe ich z.B. auf einer zweistündigen Zugfahrt auf dem Pixel C in Google Docs. Bilder bearbeiten, einfügen und den Text ordentlich formatieren werde ich allerdings dann erst am Laptop oder Desktop erledigen.

Ist nun Android eine schlechte Wahl? Ich denke nicht. Hie und da fehlen einige Optimierungen. Ein ordentlicher Multi-Window-Modus wäre wünschenswert, wird aber mit Android Version 7 (oder 6.1) ziemlich sicher nachgeliefert. Da ist mir eine hoffentlich richtige Umsetzung lieber als eine übereilte (siehe Apple: der iOS 9 Split-Screen ist für mich eine halbgare Lösung. Die beste Umsetzung ist und bleibt die klassische Taskleiste, hier hat Android dank Onscreen-Buttons potenzial). Eine Apps schalten manchmal in den Hochformat-Modus um, was sehr nervig ist aber durch eine App Update schnell gelöst werden kann. Besonders schlimm: 500px aber auch einige Facebook-Apps (zumindest in Unterfunktionen) wollen nicht so richtig im Querformat.

Ansonsten bleibt für die Produktivität nur die Frage, was man denn sonst so auf einem PC macht. Surfen: OK, Streamen: OK, Texte schreiben: OK, Formatierungen: naja; komplexe Formatierungen: nope; professionelles Programmieren & Bildbearbeiten: auf keinen Fall.

Fazit

Das beste Android-Tablet bisher. Hochwertige und durchdachte Hardware. Lange Software-Lebenszeit dank direktem Google Support. Die größten Probleme sind durch den Kauf von Zusatzkabeln und Softwareupdates - sowohl von Google selbst als auch von App-Entwicklern - zu lösen. Bleibt die Frage, ob es man es auch tatsächlich kaufen sollte. Will man wirklich nur Facebook-Surfen, gibt es wohl günstigere Alternativen. Wer allerdings öfter mal unterwegs ist, vielleicht im Park etwas schreiben möchte, bei der Geschäftsreise eine E-Mail von unterwegs beantworten möchte, Blogger ist, … dem kann ich das Gerät nur ans Herz legen!




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