Roomba 870/880 im Test - Guter Sauger mit viel Wartung

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von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 08.03.2015 18:24, zuletzt aktualisiert am: 10.09.2015 08:10

Roomba 870/880 im Test - Guter Sauger mit viel Wartung

Seit Sommer dieses Jahres sind wir stolze Besitzer unseres ersten Haushaltsroboters. Der Roomba 870 von iRobot saugt unsere Wohnung nun schon eine Weile und ja, nützlich ist er, aber mit Kompromissen. Ein Erfahrungsbericht.

Neugierig wie ich bin, musste ich auch die Welt der Haushaltsroboter ausprobieren. Zwei Personen und ein Hund auf 60m² sorgen schon einmal dafür, dass der klassische Staubsauger spätestens jeden zweiten Tag aus der Ecke geholt werden muss. Da war der iRobot Roomba 870 genau das richtige, dachte ich. Ein paar Details zum Gerät:

iRobot Roomba 870/880/871

iRobot hat sich schon einen Namen in der Kategorie Staubsaugerroboter gemacht. Und die 800er Serie wird mit vielen neuen Innovationen beworben. Aero-Force, Tangle-free, alle Böden ... Besonders die neuen „verfilzungsfreien AeroForce Aufnahmerollen“ (also keine Bürsten mehr) waren ein starker Kauffaktor für mich. Schließlich sollten sich nicht ständig Haare um die Bürsten wickeln. HEPA-Filter inklusive.

Ansonsten ist kaum ein Unterschied zu den Vorgängermodellen zu erkennen. Die Testberichte sagen schon seit Jahren, dass die iRobot Roomba gut saugen können.

Als Modelle gibt es den Roomba 870 und den Roomba 880. Der Hauptunterschied liegt in den Virtual Wall Lighthouses, die als virtuelle Wand und auch als virtueller Leuchtturm dienen. Der Lighthouse Modus sorgt dafür, dass der Roomba gut in alle Räume kommt. Dies ist nur für den 880er verfügbar, der 870er kennt nur den Virtual Wall Modus. Zudem enthält das 880er Modell eine Fernbedienung. Amazon wiederum hat den Roomba 871 im Angebot - anscheinend exklusiv. Dieser ansonsten mit dem 870er identische Roboter hat eine Fernbedienung, dafür jedoch keine Virtual Wall.

  • Roomba 870: Virtual Wall
  • Roomba 880: Virtual Wall & Lighthouse, Fernbedienung
  • Roomba 871: Fernbedienung

Installation

Auspacken, Ladestation aufstellen, Akkuschutzfolie abziehen, Laden lassen und fertig. Nach dem ersten Einschalten und jedes mal, wenn der Akku entfernt wurde, fragt der Roomba nach dem Datum und der Sprache. Ansonsten gibt es jetzt nur noch einen Knopf den man wirklich benötigt und dieser heißt Clean.

Reinigungsleistung, Stufen, Teppiche und Räume

Der Roomba 870 verfügt über kein Virtual Lighthouse. Ich hatte dies als sinnlos erachtet, doch leider stellt sich heraus, dass der Roomba nicht sehr gut mit mehr als einem Raum gleichzeitig auskommt. Er fährt schonmal in den zweiten Raum und lässt den ersten dann nahezu unbeachtet - oder umgekehrt.

Auch mit Teppichen oder Kanten hat er kaum eine Freude. Niedrige Kurzhaarteppiche meistert er gut, auf etwas höhere kommt er nicht mehr rauf und längere Teppiche bremsen das Gerät stark aus. Aber auch bei kurzen Teppichen passiert es schonmal, dass er an den Ecken hängen bleibt oder diese gar aufbiegt. Hier hilft aber eine einfache Teppich-Rutschunterlage und die Ecken bleiben am Boden.

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Diesen Teppich schafft der Roomba leider nicht.

Das gleiche gilt für Türkanten. Selbst wenn der Roomba den nächsten Raum findet, genügen schon 1-2 cm hohe Unterschiede, dass er nicht mehr passieren kann. Ebenso müssen natürlich Gegenstände weggeräumt werden und Hindernisse beiseite gestellt werden. Bei uns sind dies Sessel, Blumentöpfe, der Couchtisch muss etwas von der Couch weggeschoben werden, Papierkörbe auf Tische gestellt werden, etc. Stufen und andere Abgründe werden dank der Sensoren problemlos erkannt.

Hat man aber nun einem möglichst hindernisfreien Raum, saugt der Roomba wie ein Ass. Die neuen Aufnahmerollen leisten ganze Arbeit und die Zusatzbürste fegt Schmutz effektiv zur Mitte des Geräts. Er ist verhältnismäßig leise, im selben Raum möchte man dennoch nicht sein. Je nach Raumgröße ist er in ca. 20 bis 40 Minuten fertig und fährt - wenn sie sich im selben Raum befindet - zur Ladestation zurück. Wenn nicht, kann er schonmal an den denkbar ungünstigsten Stellen stehen bleiben und ohne Fernbedienung bekommt man ihn dann auch nicht leicht heraus.

Zubehör

Die Virtual Walls sind von der Idee ganz nett. Sie sind jedoch groß und klobig. Da mache ich lieber die Türe zu. Die Lighthouse Funktion finde ich persönlich sinnvoller. Doch auch hier sind die Geräte dermaßen unpraktisch groß, dass man sie entweder für jedes saugen aufstellen muss oder sich an einige unschöne Technikblöcke bei den Türen gewöhnen muss.

Ein Ersatz-HEPA-Filter war dabei, eine zusätzliche Seitenbürste wäre auch nett gewesen, fehlt aber leider.

Die Fernbedienung konnte leider nicht getestet werden.

Wartung, Wartung, Wartung

Wem das monatliche Auswechseln der Staubsaugerbeutel schon zuviel ist, sollte von Robotern die Hände lassen. Der Auffangbehälter ist nach jedem Saugen voll. Und entgegen der Erwartung muss man sich um verfangene Haare durchaus Gedanken machen, insbesondere lange Frauenhaare verwickeln sich gerne an den ausgefallensten Stellen (zugegeben aber nicht an den Rollen!).

Liest man im Handbuch nach, soll das Gerät jede Woche gereinigt werden. Das fängt beim Abwischen der Sensoren an und führt bis zum Herausnehmen der Rollen und Abschrauben der Hilfsbürste. iRobot hat dies aber durchaus geschickt gelöst. Der Roboter ist angenehm zerlegbar und wartbar, etwas was ich mir von Technik oft mehr wünsche. Die Teile, die regelmäßig zu warten sind, sind alle in gelb gehalten und sollten tatsächlich spätestens alle 2-4 Wochen gereinigt werden.

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Einfach Reinigungsregel: Alles was gelb ist wird ausgebaut

Und auch der Akku hat seine Eigenheiten. Laut Support soll das Gerät dauernd am Netz hängen. Und will man das Gerät längere Zeit nicht benutzen, soll der Akku komplett ausgebaut werden.

Durch die gute Zerlegbarkeit gibt es von Roomba auch viele Ersatzteile nachzukaufen. Die Rollen dürften wohl bis zu einem Jahr gut halten, die Seitenbürste muss wohl alle 3 Monate mal gewechselt werden. Saugt man den HEPA-Filter regelmäßig aus, kann man ihn wohl auch gut ein halbes Jahr bis Jahr verwenden.

Tipp: Routine sorgt für Effizienz

Nach dem Aufstehen im Wohnzimmer laufen lassen, nach dem Mittagessen kommen die Stühle im Esszimmer auf den Tisch und dieses Zimmer wird gesaugt. Gehe ich mit dem Hund, wird er im Arbeitsraum losgelassen. Ohne dieser Routine vergisst man den Roomba gerne mal. Mit dieser Routine wird er aber zum nützlichen Helfer.

Fazit

Ein erster Schritt ist getan und der erste Roboter erleichtert uns den Alltag. Doch ist er keinesfalls wartungsfrei. Häufiges Reinigen und Aussaugen der Komponenten nehmen schon gut eine halbe Stunde im Monat in Anspruch. Und auch kaum eine Wohnung ist wohl auf die Roboterrevolution vorbereitet. Hohe Teppiche, Höhenunterschied und Objekte wie Blumentöpfe, Tische, Stühle müssen regelmäßig aus dem Weg geräumt werden, damit der Roomba auch darunter saugen kann. Ohne Virtual Lightroom muss auch jeder Raum einzeln gesaugt werden. Dennoch: Hat man erstmal eine Routine gefunden, übernimmt er die Hauptlast des Staubsaugens. Und das so gut, dass der klassische, klobige Staubsauger bald ausgedient haben dürfte. Eigentlich reicht ein Roboter und ein Akku-Handstaubsauger wie der Dyson DC62.

Empfehlen würde ich übrigens das iRobot Roomba 871 Modell. Sowohl die Virutal Wall als auch der Lightroom sind einfach zu groß und unpraktisch. Das Zubehör liegt somit sinnlos in der Originalverpackung. Hat er sich jedoch unter dem Bett verfahren, wäre ich für eine Fernbedienung schon dankbar. Doch auch ein Griff zum deutlich günstigeren Vorgängermodel Roomba 780 dürfte kein Fehler sein.

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