Warum Fasten gesund ist und wie man richtig fastet

Leben
von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 04.05.2021 13:54, zuletzt aktualisiert am: 04.05.2021 13:54

Warum Fasten gesund ist und wie man richtig fastet

Es scheint fast so, als ob der Körper immer wieder aus seiner Komfortzone herausgerissen werden muss, um gesund zu bleiben. Ganz offensichtlich ist dies beim körperlichen Training zu beobachten. Geht man nicht regelmäßig an seine Grenzen, bleiben Muskelmasse und Trainingszustand gleich. Möchte man jedoch weiter laufen können oder seine Muskelmasse aufbauen, muss man an seine Grenzen gehen. Das gleiche gilt wohl auch bei der Ernährung. 

Aber zuerst ein Disclaimer: Ich bin weder Arzt noch Ernährungswissenschaftler. Einzig 5 Jahre Nervenschmerzen haben mich gezwungen über den Horizont der allgemeinen Medizin hinauszublicken. Trotzdem sollte jeder seinen eigenen Gesundheitszustand abschätzen und im Zweifel alles mit seinem Arzt besprechen. Ich entziehe mich jeglicher Haftung für das hier Gesagte und möchte euch deutlich auf eure Eigenverantwortung hinweisen!

Ein anderer Ansatzpunkt ist die Entgiftung des Körpers. Es scheint mir, dass der Körper „Giftstoffe“, die er nicht sofort abbauen kann, tendenziell (im Fett) einspeichert und, sobald er die Möglichkeit hat, wieder abbaut. 

Wie komme ich darauf? Ganz einfach, man muss sich nur sämtliche Suchtmittel (zumindest jene die in den Dopaminhaushalt eingreifen) ansehen. Jeder Raucher und Alkoholiker kennt Entzugserscheinungen. Die gesamte Gesellschaft erkennt diese Entzugserscheinungen auch an. Doch was passiert beim Entzug? Während dem regelmäßigen Rauchen und Alkohol trinken, schafft der Körper nicht, sämtliche Giftstoffe und Nebenprodukte abzubauen und auszuscheiden. Hört man jedoch auf, beginnt die Regeneration. Und diese beginnt meist hart. Das Hirn schreit nach dem nächsten Dopaminschuss. Jede Zigarette schüttet etwas von diesem Glückshormon aus. Jeder Schluck Alkohol erzeugt eine kleine Belohnung. Soweit die psychologische Abhängigkeit. Allerdings beginnt auch physisch eine gewaltige Umstellung. 

Ein schlechter Geschmack im Mund, Durchfall, Schüttelfrost, vermehrte Ausscheidungen über Harnwege und die Schweissdrüsen sind typisch für einen Entzug. Nun meine Frage, was ist der Unterschied zum Zucker? Wenn auch nicht so stark, schüttet auch die Zuckereinnahme Dopamin aus. Und auch körperlich richtet Zucker so einiges an. Kaffee, das gleiche. Ich behaupte jetzt mal sogar, dass eine Vielzahl regelmäßig eingenommene Lebensmittel, diverse schwer abbaubare Stoffe in Fett einlagern. Mal mehr, mal weniger. 

Und genau diese eingelagerten „Giftstoffe“ im Fett werden beim Verzichten auf diese Lebensmittel aus dem Fett abgebaut und ausgeschieden. Nichts anderes passiert beim Fasten. Samt typischer „Entzugserscheinungen“.

Wie fastet man nun richtig? 

Eine Suppendiät? Keto Diät? Dinkel Diät? Salat Diät? Tafelspitz Diät? Es scheint mir ziemlich arbiträr zu sein, welche Art von Diät man anwendet. Wichtig scheint zu sein, dass man auf möglichst viele, potenziell schädliche Lebensmittel verzichtet. 

Meine Kriterien für eine gesunde Fasten Diät lauten daher wie folgt:

  • Keine verarbeiteten Lebensmitteln
  • Keine zuckerhaltigen Lebensmittel
  • Keine eindeutigen Gift- und Suchtstoffe, wie Alkohol, Tabak und Koffein
  • Auf ein oder wenige Lebensmittel beschränken
  • Deutlich weniger als normal zu sich nehmen
  • Eine Ketose scheint ein erstrebenswertes Ziel während des Fastens

Warum? Fertige Lebensmittel enthalten oft Zusatzstoffe, die für die Herstellung dieses Lebensmittels aus Rohprodukten zu Hause nicht wirklich notwendig sind (ja wirklich, liest mal die Zutatenlisten durch, euch wird übel werden vor lauter unnützem Zeug). Zuckerhaltige Lebensmittel, oder Zucker selbst, ist im obigen Sinne eines der meist zugeführten kleineren Suchtstoffe und sollte daher auch vermieden werden. Alkohol Tabak und Koffein stehen ohnehin außer Frage. 

Dass es nur eines oder wenige Lebensmittel sein sollen, hat im obigen Sinne auch eine Logik. Der Körper beginnt ja auch mit der Nikotin Entgiftung beim Aufhören des Rauchens. Welche ernährungsbedingten „Giftstoffe“ sich individuell eingelagert haben, ist verdammt schwer herauszufinden. Möglicherweise braucht der Körper eine Avocado Entgiftung? 🧐 Vielleicht gefallen dem Körper keine eingelegten Oliven? 😬 Vielleicht keine Milch? 🐮 Während es bei Nikotin und Alkohol relativ einfach ist, einen Schuldigen auszumachen, ist es bei den Alltagslebensmittel wohl nicht so einfach. Daher auf so viel wie möglich verzichten. 

Schlussendlich sollte man natürlich auch weniger zu sich nehmen. Schließlich besagt die Theorie, dass Schadstoffe in Fett eingelagert wurden. Das Fett soll natürlich auch effektiv weg. Eine Halbierung der täglichen Kalorien auf ungefähr 1000 scheint mir vernünftig. 

Die Ketose, ein wichtiger Bestandteil des Fastens 

Überraschung, der Körper hat ein zweites Stoffwechselsystem. Normalerweise ist Zucker, Glucose, in irgendeiner Form unser wichtigster Energielieferant. Jeder hat in der Schule gelernt, dass in den Mitochondrien, dem Kraftwerk der Zelle, der Zucker verstoffwechselt wird und wir so Energie gewinnen. Oftmals übersehen wird allerdings der sehr alte Mechanismus, auch mittels Ketose Energie zu gewinnen. Laienhaft gesagt wird einfach vom Zuckerstoffwechsel auf einen Fettstoffwechsel zur Energiegewinnung umgestellt

Die Ketose hat möglicherweise einige große gesundheitliche Vorteile:

  • Die Langerhansschen B-Zellen, bzw der gesamte Insulinhaushalt, werden entlastet
  • Es gibt Forschungen, dass sogar das Wachstum von zuckerabhängigen Tumoren verringert wird. Möglicherweise wird als Präventionsmaßnahme beim regelmäßigen Fasten sogar die Entstehung solcher verhindert. 
  • Der Cholesterinhaushalt kann sich verbessern
  • Es gibt Hinweise auf positive Einflüsse auf die Herzfunktion
  • Und abseits des Fastens gibt es die Ketose auch als tatsächliche Therapie bei Diabetes, bei Parkinson und bei gewissen Typen von Epilepsie
  • Sieht man sich die studienmäßig belegten Anwendungsgebiete der Ketose genauer an, so scheint es vor allem auch einen positiven Einfluss auf das Nervensystem allgemein zu haben

Während des Fastens ist die Ketose einfach zu erzeugen. Die reduzierte Einnahme an Kalorien ist schon ein halber Schritt auf dem Weg zur Ketose. Lässt man daraufhin noch möglichst alle Kohlenhydrate und natürlich auf Zucker komplett weg, ist die Ketose zum Greifen nah. Jetzt noch für genügend Fettzufuhr sorgen und schon läuft die Ketose.

Dabei möchte ich nicht für eine dauerhafte Keto-Diät werben. Im Gegenteil, wie in der Einleitung schon geschrieben, ist wahrscheinlich die Abwechslung das beste Training für den Körper. Ein paar Tage ketogen, ein paar Tage „glucogen“. Vielleicht mal eine Woche, vielleicht mal ein Monat. Wenn ich schon zwei so grundlegende Stoffwechselsystem begibt, warum dann nicht beide nutzen? Nur weil wir in einer Zucker Überflussgesellschaft leben, heißt es nicht dass die Ketose keinen Zweck hat. Diese Abwechslung entlastet auch intervallmäßig entweder die Pankreas oder die B Zellen (die interessanterweise auch an der Pankreas sitzen). Dauerhaft Ketose könnte eine Pankreatitis auslösen. Dauerhaft Zucker und Kohlenhydrate können Diabetes auslösen. Daher warum nicht einfach abwechseln? Und das jeweils andere System regelmäßig schonen. Wie beim Sport, eine Woche Beine, eine Woche Bauch.

Gerade für Keto Neulinge ist es wahrscheinlich auch interessant, die Ketose mittels Urinteststreifen zu kontrollieren.

Die Tafelspitz Diät 

Was vielleicht oben als Scherz gelesen wurde, ist mein bitterer Ernst. Die Tafelspitz Diät. Sie erfüllt alle Kriterien. Das proteinreiche und fettdurchzogene Suppenfleisch vom Rind (bio & freiland natürlich) ist meist gut verträglich und wenig „allergen“. Eine selbst hergestellte Suppe liefert Energie und Flüssigkeit. Eine Ketose ist damit denkbar einfach zu erreichen.

Zeitplan

10 Tage lang sollte folgender Speiseplan auf dem Tisch stehen:

  • Morgens: 1-2 gequirlte Eier in Rindsuppe, abwechselnd auch ein hartes Ei 
  • Mittags: 1 Suppenschüssel Tellerfleisch, also geschnittenes Fleisch in der Rindsuppe
  • Abends: 1 Suppenschüssel Tellerfleisch, alternativ manchmal auch saures Rindfleisch mit etwas Zwiebel und Ei

Ein bisschen Suppengemüse darf dazu gegessen werden. Eine halbe gekochte Karotte zu jedem Teller Suppe ist in Ordnung. Die Suppe kann man gut mit frischen oder getrockneten Kräutern würzen. Mit dem Salz nicht übertreiben. Auch ein bisschen Schnittlauch oder frische Kresse als Beilage zum Ei oder zum sauren Rindfleisch schaden nicht. 

Zwischendurch viel Kräutertee. Einmal täglich ein Glas Mineral Zitrone. Ansonsten am besten mineralstoffreiches Mineralwasser um den Elektrolythaushalt aufrechtzuerhalten. 

Danach 4 Tage lang zum Ausschleichen

Jetzt noch 4 Tage lang eine abwechslungsreichere aber dennoch ketogene Diät. Also weitgehender Verzicht auf Kohlenhydrate, aber langsame Einführung anderer Lebensmittel (gebratene Hühnerstreifen mit kleinen gebratenen Tomaten und viel Olivenöl, Rindsschnitzel in Natursaft, Skinny Burger (ohne Buns) und sogar eine Keto-Pizza mit Käse-Ei- oder Thunfischboden wäre möglich.

Der eigene Erfolg

Im Zuge dieser Tafelspitz Diät verliere ich ungefähr 0,5 bis 0,7 kg am Tag. Besonders am Anfang sind die üblichen Entzugserscheinungen ebenso bei dieser Fastenart dabei. Kopfschmerzen, Müdigkeit, schlechter Geschmack im Mund, Muskelschmerzen. Jeder reagiert jedoch ein bisschen anders. Sollte die Darm Funktionalität gestört werden, so können Flohsamen oder Flohsamenschalen helfen. Diese regulieren die Darmflora und werden nicht verdaut. Sie sind reine Ballaststoffe.

Tafelspitz Diät Gewichtsverlust

Insgesamt konnte ich knapp zehn Kilo in diesen 14 Tagen verlieren. Etwas sanfter Sport und auch ein milder Saunagang helfen beim Ausschwitzen.

Den Verlauf habe ich mit der günstigen aber dennoch funktionsstarken Eufy Smart Waage P1 gemessen. So sieht man auch den eigenen Verlauf besser. Das würde ich auch jedem empfehlen. Zumindest mit Stift und Papier mitschreiben.

Quellen



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