AWS Start-Up-Scheck erklärt: 1000 € Zuschuss für junge Unternehnen

Business & Economics
von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 27.07.2015 10:03, zuletzt aktualisiert am: 27.07.2015 10:04

AWS Start-Up-Scheck erklärt: 1000 € Zuschuss für junge Unternehnen

Erst neulich habe ich durch Zufall etwas mehr über das Förderwesen in Österreich gelernt. Unter anderem gibt es die Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS), die neben diversen Zuschüssen Garantien und Krediten, auch unkompliziert Investitionen in Klein(st)unternehmen fördert. Mit dem Start-Up-Scheck.

Mein größtes Problem war die Unsicherheit über den Ablauf. Zwar gibt es einen 24h-Antwort Service per E-Mail, doch telefonisch konnte ich lange niemanden erreichen. Meine Investition besteht aus einer neuen Kamera (Sony A7II + Zubehör) für Produktfotografie, 2 neuen Monitoren, einem HAG Capisco Bürostuhl und 2 Ikea Bekant Steh- und Sitztischen. Aber versuchen schadet ja nicht. Genehmigt wurde es auch. Ihr seht also, dass hier auch ziemliche Büro-Alltagsgegenstände gefördert werden.

Disclaimer: Ich bin weder Förderexperte noch Steuerberater noch sonst etwas. Das hier ist ausschließlich ein Erfahrungsbericht ohne Anspruch auf Rechtssicherheit und Vollständigkeit.

Was ist der Start-Up-Scheck?

Einfach gesagt handelt es um einen Zuschuss von 1.000 € zu eurem Projekt. Dabei ist der Begriff Projekt nicht zu eng zu sehen, denn auch meine Anschaffung von Büro- und Geschäftsausstattung war ein Projekt. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine Förderung für Jungunternehmer. Das schließt Gründer, die sich vor frühstens 5 Jahren einen Gewerbeschein geholt haben mit ein. Auch ich bin jetzt eher am Ende dieser Frist auf diese Förderung gestoßen und konnte sie problemlos beantragen.

Solltet ihr noch keine Umsatzsteuernummer besitzen (Kleinunternehmerregelung), so würde ich mir vor Projektbeginn gut überlegen, ob das nicht zu ändern wäre. Denn wenn ihr 6000 € brutto ausgebt, sind insgesamt 1000 € USt. enthalten. Ihr würdet damit die gesamte Förderung nur für die USt. aufbrauchen. Dies könnt ihr euch sparen, wenn ihr euch die Vorsteuer abziehen könnt. Die UID-Nummer lohnt sich jedenfalls, wenn ihr wenige Endkunden und hauptsächlich andere umsatzsteuerpflichtige Geschäftskunden habt.

Förderungs-Bedingungen

Bis auf einige wenige Punkte ist der Start-Up-Scheck relativ einfach und unkompliziert gehalten. Die Kernpunkte sind:

  • Projektsumme zwischen 5.000 € und 20.000 € (netto)
  • Förderungsfähig sind aktivierungsfähige und geringwertige Wirtschaftsgüter
  • Neu gegründetes oder neu übernommenes Unternehmen (Rechtsform ist egal)
  • Unternehmen darf nicht älter sein als 5 Jahre
  • Aufgabe unselbstständiger Tätigkeit
  • Kleinunternehmen (< 50 Mitarbeiter, < EUR 10 Mio. Umsatz oder Bilanzsumme)
  • Sitz in Österreich
  • Keine Rechnung, kein Vertrag, keine Vereinbarung darf vor dem Anerkennungsstichtag datiert sein
  • Einzelne Rechnungen müssen mindestens 150 € (netto) betragen
  • Mehrfacheinlösung für unterschiedliche Projekte möglich (12 Monate Wartefrist)

 Nicht förderungsfähig sind z.B.:

  • Gebrauchte Wirtschaftsgüter (leider, hatte eine super gebrauchte Kamera in Aussicht!)
  • Grundstücke
  • laufende Aufwendungen
  • Unternehmen aus der Tourismus- und Freizeitwirtschaft

Eine ausführlichere Übersicht findet ihr in der AWS Start-up-Scheck Broschüre.

Ablauf zur Förderung

Hier kam es zur eigentlichen Überraschung: Innerhalb einer Woche war der Antrag erledigt. Zwar war der Ablauf etwas unübersichtlich, aber hey ...

1) Zugangsdaten besorgen

Auf der AWS-Website einfach auf den Unterpunkt Start-Up-Scheck (der manchmal noch Jungunternehmerscheck heißt - war wahrscheinlich nicht gendergerecht ...) navigieren. In der rechten Spaltet findet ihr den Punkt Förderantrag stellen. Nun öffnet sich eine neue Seite und in der linken Spaltet steht der Punkt Neuer Antrag. Gebt eure E-Mail-Adresse und den Sicherheitscode (Captcha - damit das System weiß, dass ihr kein Bot seid) ein und ihr erhaltet per E-Mail einen Zugangslink samt Zugangscode.

2) Einloggen und Formulare ausfüllen

Der Zugangscode in der Anmelde-E-Mail dient als Benutzername, Antragsnummer und Passwort zugleich. Einfach über den Link in der E-Mail anmelden und ihr könnt nun zwei Formulare Ausfüllen: das Hauptformular und den Start-Up-Scheck. Lasst euch nicht abschrecken, das Hauptformular ist sehr umfangreich. Ich würde empfehlen, das Projekt hier relativ offen zu beschreiben und noch keine genauen Lieferanten einzugeben. So hab ich klar geschrieben, dass ich eine Kamera & Zubehör kaufe, aber nicht angegeben welches Gerät, Marke und Zubehör genau und bei welchem Händler ich es einkaufe. Schließlich kann sich dies jederzeit ändern. Insgesamt hatte ich auch nur einen Projektposten, der Geschäfts- und Büroausstattung hieß.

Das zweite Formular ist wesentlich kürzer. Die Bankdaten müsst ihr nicht ausfüllen (außer ihr wickelt die Förderung über die Bank ab), aber ihr müsst bestimmte Dokumente hochladen. Den Auszug der Versicherungsdaten erhaltet ihr auch im neuen Onlinesystem der SVA (ich empfehle die Handysignatur zur Anmeldung). Dieser dient auch in vielen Fällen als Bestätigung, dass ihr keine unselbstständige Tätigkeit ausübt. Hochladen müsst ihr die Dokumente in einem eigenen Reiter Anhänge. Nun nur noch bei beiden Formularen auf Speichern und Prüfen klicken und dann Übermitteln

3) Auf Förderungsanbot und Zugangsdaten warten

Ab sofort könnt ihr nicht mehr mit euren Zugangsdaten auf die Oberfläche zugreifen. Ihr bekommt neue Zugangsdaten per eingeschriebenem Brief ... (WTF?). Auch das Förderanbot kommt per Post. Das Onlinesystem (inkl. der neuen Zugangsdaten) könnt ihr aber getrost vergessen. Denn unterschreiben müsst ihr das Dokument ohnehin händisch und ein Scan wird nicht akzeptiert (2x WTF?). Als angenommen gilt das Anbot, wenn ihr innerhalb von 3 Monaten das Original unterschrieben per Post zurückschickt. Welches der beiden Kopien das Original ist, kann man sich wohl aussuchen ...

4) Investition beginnen

Vorsichtshalber würde ich warten, bis das Förderanbot tatsächlich da ist, auch wenn eine Empfangsbestätigung bereits früher per E-Mail kommt. Denn erst dort steht klipp und klar ein Anerkennungsstichtag drinnen. Erst ab diesem Datum dürft ihr einkaufen und Verträge abschließen. Ansonsten wird euch die Rechnungs nicht anerkannt. Achtet bei der Investition, dass überall euer Name oben steht und unbedingt das Datum kontrolliert. Kein Datum soll vor dem Anerkennungsdatum liegen (Schuld daran ist übrigens die EU. Die geht offenbar davon aus, dass das Unternehmen vorher alles durchplant, die Förderung beantragt und in der Zwischenzeit Däumchen dreht ...).

5) Rechnungen einreichen

Dann kommt nur noch der letzte Schritt, der aber auch mir noch fehlt. Auf der AWS Website findet sich dann unter Downloads eine Excel Datei für die Rechnungszusammenstellung (Echt jetzt? Wofür dann die Zugangdaten ... ?). Hier darf man dann seine Rechnungen eintragen und das ganze absenden. Danach kommt der Zuschuss auf das Konto.

Kritik

Allgemein ist es für mich zweifelhaft, ob diese Form der Förderung so zielführend ist. Schließlich werden einfach nur 1000 € für nahezu irgendwelche Ausgaben gefördert, egal ob diese volkswirtschaftlich sinnvoll sind oder nicht. Lieber wäre mir eine schlankere Verwaltung, weniger Steuern und Abgaben als das Hin- und Hertauschen von Steuergeld.

Davon abgesehen, scheint der Ablauf von einem Missverständnis des Begriffes Digitalisierung geprägt zu sein. Im Ablauf der Förderung werden drei verschiedene Mittel verwendet: Onlineformular, Briefpost und dann noch Excel. Das ist ziemlich inkonsistent und könnte eigentlich alles in einem kombinierten Onlinesystem erledigt werden. Optimalerweise mit (ausgebauter) Handysignatur.

Und dass die Förderung erst auf das Konto kommt, wenn alles schon bezahlt ist, ist auch so eine Sache. Schließlich - so dachte ich - beantragt man die Förderungen, weil man zusätzliches Geld braucht, um überhaupt investieren zu können. So bekommt man einfach nur nachträglich ein kleines Zusatzeinkommen. Ganz nett und praktisch.

Nichtsdestotrotz würde ich jedem empfehlen, den Start-Up-Scheck zu nutzen. Erstens ist es ein einfaches Lernbeispiel für die Zukunft, sollte man einmal größere Förderungen beantragen (müssen). Zweitens sind 1000 € durchaus eine Unterstützung. Oder auch ein Ausgleich für zu hohe Abgaben und komplexe Bürokratie. Auch wenn mir der Sinn etwas entgeht, ein schlechtes Gewissen müsst ihr sicherlich nicht haben. The Government Giveth and the Government Taketh Away. Und 1000 € sind 1000 €.



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