Wie man einen Notebook Kühler selber baut und warum herkömmliche Kühler sinnlos sind

Technik
von Gerhard Petermeir
Veröffentlicht am: 10.05.2015 18:00, zuletzt aktualisiert am: 09.03.2021 16:29

Wie man einen Notebook Kühler selber baut und warum herkömmliche Kühler sinnlos sind

Laptops sind heute so ein Ding. Zu dünn fürs Gaming, zu gut, um es aber nicht zu probieren. Das Hauptproblem ist die Hitze. Da muss ein Kühler her. Herkömmliche Notebookkühler haben jedoch schon von Haus aus ein Problem: sie sind per Definition zu schwach.

Ich habe einige Kühler in letzter Zeit durchprobiert und mir ist ein Fazit übrig geblieben: sie haben alle einige Konstruktionsfehler, die sie für viele Laptops sinnlos machen. Zuerst aber zum Problem selbst. Mein Asus GL550JK wird beim Spielen schonmal ganz schön heiß. 80 bis 90°C, gemessen am CPU mit RealTemp, sind keine Seltenheit. Das ist nicht wenig, ist aber auch logisch. Wenn das Gerät möglichst handlich und dünn sein soll, was es ist, kann es automatisch nicht so gut kühlen. Der Physik sind Grenzen nunmal gesetzt. Außerdem bin ich auch selber schuld, wenn ich die Grafikeinstellungen des Spieles hochdrehe. Aber hey, man will ja auch was davon haben.

Jetzt bin ich aber so einer, der gerne mal auf seine Technik schaut. Auch wenn der PC wahrscheinlich in 1-2 Jahren getauscht wird, ich achte darauf, dass er auch dann noch in gutem Zustand ist. Also wird eine passende Kühllösung gesucht. Geizhals, Amazon und diverse Foren durchforstet und man kommt auf einige Geräte, die zu dem 15,6 Zoll Gerät gut passen würden. Gesagt getan. Das erste Gerät von CoolerMaster war viiiiieeelll zu laut. Die Topseller auf Amazon stammen von Avantek und sind eigentlich gut bewertet. Das erste Gerät hat zwar funktioniert, sich aber schon am ersten Tag in die Bestandteile aufgelöst. Als Reaktion auf die negative Bewertung gab es anderes Gerät als Ersatz (Lob!) aber hier war nun die Kühlleistung nicht wirklich zu spüren und schon gar nicht zu messen.

Warum Cooling-Pads allgemein nur schlecht kühlen können

Nachdem ich einige Geräte durchgetestet hatte, kam ich zu einem Schluss. Herkömmliche Notebook-Kühler haben 3 grundlegende Designprobleme.

  1. Kühlung von unten, Hitze nach oben
  2. 5V USB-Stromversorgung ist nicht sonderlich stark
  3. Je dicker, desto unhandlicher; je dünner, desto weniger Luftdurchsatz

Nicht falsch verstehen. Ein paar Grad kühlt das Gerät schon runter, doch das Gelbe vom Ei sind die Pads nicht. Da kam mir dann aber die Idee, einfach PC-Gehäuse-Lüfter zu verwenden. Praktischerweise zuerst an einen USB Anschluss, schwarzes Kabel an schwarzes Kabel, rot an rot. Doch hier hat der Kühler gerademal ein laues Lüftlein durchgelassen. Es war klar, 12 Volt müssen her.

Gehäuse Lüfter zur Notebookkühlung
Gehäuse Lüfter zur Notebookkühlung

So baut Ihr einen 12V Notebook Kühler mit Gehäuselüftern

Zuerst zur Einkaufsliste, das benötigt ihr:

  • 1 oder 2 Gehäuse Luftkühler
  • 1m Schrumpfschlauch
  • 12V Netzteil, typischerweise mit Rundstecker
  • Etwas Isolierband
  • Messer

Einzelteile und Werkzeug für den Notebook-Lüfter
Einzelteile und Werkzeug für den Notebook-Lüfter

Bei den Lüftern habe ich mal etwas gespart und mir günstige Rasurbo 120mm Lüfter besorgt. Wie viele Pins der Lüfter hat, ist egal, hauptsache ein rotes und ein schwarzes Kabel ist dabei. Den Schrumpfschlauch gibt es im Baumarkt um wenige Cent und das 12V Netzteil kam aus einer alten Schublade. Sowas liegt schonmal irgendwo rum, gibt es aber auch zur Not im Elektroladen eures Vertrauens. 12V ist die Spannung, die ist geklärt. Die meisten Lüfter arbeiten optimal bei dieser Spannung, ist ja auch das PC-Netzteil darauf ausgelegt.

Die Ampere sollten ebenfalls halbwegs zusammenpassen. Am Lüfter selbst stehen meist nur Watt, am Netzteil jedoch der Ampere-Output. Gut, dass wir das leicht umrechnen können, zum Beispiel mit Wolfram Alpha. In diesem Beispiel sehen wir, dass 12V und 6,6 Watt Leistungsaufnahme ein Netzteil mit mindestens 0,55 Ampere (Durchfluss) benötigt. Verwendet man 2 Lüfter, ist eben mindestens das doppelte notwendig. Zu viel schadet jedoch nicht wirklich. Ich benutze hier ein 1,5 Ampere Netzteil und alles läuft bestens.

12V Netzteil als Stromversorgung für unsere Lüfter
12V Netzteil als Stromversorgung für unsere Lüfter

Achtung: Auch wenn sich hier alles schön anhört, lasst den fertigen Lüfter nie alleine. Und denkt daran, ihr hantiert mit Strom! Alles auf eigene Verantwortung! Auch bei 12V kann ein Kurzschluss schonmal Folgen haben.

Der Zusammenbau funktioniert nun ziemlich einfach.

  1. Pin-Stecker von dern Lüftern abschneiden
  2. Alle Kabel außer schwarz und rot können gekürzt werden
  3. Rundstecker (oder was auch immer) vom Netzteil abschneiden
  4. Alle Kabel ca. 5mm abisolieren und trennen
  5. + und +, - und - zusammenführen, dazu im Text mehr :)

Die Pin-Stecker haben ein Kabel für die positive Versorgungsspannung (rot, +12VDC) und die Masse (schwarz, GND). Diese beiden Kabel müssen nun mit dem korrespondierenden Kabeln am Netzteil zusammengeführt werden. Leider konnte ich nicht herausfinden, welches Kabel aus dem Netzteil nun welches ist. Also hilft nur probieren. Das ist wohl nicht besonders gesund für die Lüfter, ein kurzes Testen sollte aber schon drinnen sein. Drehen sich die Lüfter in die richtige Richtung, passt alles. Tut sich nichts (oder drehen sie sich falsch, falls das überhaupt möglich ist), dann war es falsch rum. Markiert euch die Kabel, damit ihr euch merkt, welches Netzteilende das rote und welches das schwarze ist.

Nun geben wir die Lüfterkabel in den Schrumpfschlauch (zur besseren Optik). Die roten Lüfterkabel werden mit dem roten Netzteilkabel verdreht, die schwarzen mit dem schwarzen. Hier kann vielleicht etwas Isolierklebeband drüber und ggf. ein zusätzlicher Schrumpfschlauch für jede Farbe. Alles muss gut isoliert sein!

Kabel von Lüftern und Netzteil verbinden
Kabel von Lüftern und Netzteil verbinden

Zum Schluss wird der Schrumpfschlauch nur noch mit einem Fön ordentlich warm gemacht, damit er sich zusammenzieht, und fertig. Stellt die Lüfter nun dorthin, wo sich an eurem Gerät die (spürbar) meiste Wärme entwickelt. Die Lüftung erfolgt nun exakt an der richtigen Stelle. Bei mir bläst ein Lüfter von rechts nach links über die Tastatur, der zweite steht hinter dem Bildschirm und bläst etwas darunter und an die Rückseite des Bildschirms. Und schon kommt der Laptop bei voller Leistung auf maximal 65°C. Spitze.

Mit 12V schafft ihr nun einen höheren Luftdurchsatz, als das die 5V USB-Kühler jemals könnten. Die bessere Positionierung schafft punktgenaue Kühlung. Und das ganze System ist so portabel, dass es in jeden Rucksack passt. Wer dennoch ein Pad haben möchte, kann noch immer 2 Metallgitter oder Plexiglasplatten und ein paar Abstandhalter kaufen und sich so selber eines bauen. Aber dann mit richtig Powaaaar :D



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